15. November 2009

Stephen Kings „It“: Der Jude ist der Feigling

Stan Uris war im „Losers Club“ immer der Außenseiter, er glaubte bis zuletzt nicht an die Existenz des Unvorstellbaren. Er schwört außerdem „Gott und seinem Land“ genau dann die Treue, als der Rest seiner Clique sich anschickt, Pennywise den Garaus zu machen. Wohlgemerkt: der erste Teil der Geschichte spielt 1960, der zweite 1990. Wessen Land hat Stan die Treue geschworen? Amerika? Israel? Oz? Wär interessant zu wissen.

Als die Kinder nach vermeintlich erfolgreicher Mission vereinbaren, bei der Rückkehr von „Es“ zusammenzuhalten, ist Stan, der Jude, der einzige, der zögert. Wie es einem Drückeberger gebührt, lässt King diesen Charakter Ende des ersten Teils von „It“ sterben, und zwar nicht durch einen Heldentod, sondern durch Suizid in der Badewanne.

Vor dem Hintergrund von Leon de Winters kürzlich erschienenen Romans „Das Recht auf Rückkehr“ bekommt das Schicksal des Stan Uris in Stephen Kings „It“ eine neue Lesart: Die Juden müssen sich ihrem Schicksal stellen. Sie müssen alle Selbstzweifel aus dem Weg räumen. Auch jeden Angriff von außen, im Film neben Pennywise vor allem durch Henry Bowers verkörpert, müssen sie kontern!

Jedoch: wenn man Stephen Kings „It“ schaut, wird man unweigerlich auch an die deutsche Gegenwart erinnert. Angesichts des Schicksals von Robert Enke muss man sich gewahr werden, dass viele Erinnerungen aus Kindheit und Jugend immer wieder kommen, um einen zu verfolgen. Ständig. Man kann sich dem nicht entziehen. Und man muss sich stellen. Dann wid man vielleicht gewinnen.

Stan Uris hat verloren, Robert Enke auch. „Abi“ aus dem Roman de Winters nur teilweise.
Wir alle haben es in der Hand, zu Gewinnern zu werden.

„Peux ce que veux. Allons-y“
Romeo Dallaire

15. Oktober 2009

Schaltet ma´ ab, Genossen

Die Homepage der Autonomen Antifa Freiburger ist auf Druck der Polizei abgeschaltet worden. Auf der Seite fand sich unter anderem ein Aufruf, vermummt zu einer Demo zu kommen, worin die Ordnungshüter einen möglichen (Aufruf zum) Gesetztesbruch erkannten.Die kritischen Paasagen wurden entfernt, und die Seite anschließend wieder freigeschaltet.

Seitdem werden die beanstandeten Sätze in voller Ausführlichkeit auf dem Online-Portal fudder.de ausgewalzt. Die Kollegen von fudder werden damit zu Erfüllungsgehilfen der Intention der Autonomen: wer wissen will, wann und wo die Freiburger Antifa gerne Vermummte sehen will, brauch jetzt nicht mehr die Homepage der Antifa zu konsultieren; bei fudder steht ja auch alles…

Im Ernst: wenn dies ein Fauxpas gewesen ist, dann war dieser nicht nur peinlichs, sondern gefährlich. Und wenn es kein Versehen war, dann sollte sich das Online-Portal umbenennen…

14. Oktober 2009

Pissen gegen den Gegner

Das Jos-Fritz-Café ist ja für seine politische Extravaganz in Freiburg sehr bekannt. Meine persönliche Erfahrung hat mir gezeigt, dass dort Ideologen vieler Richtungen auf ihre Kosten kommen können. Ich habe dort beispielsweise sowohl gegen Israel gerichtete Vorlesungen besucht als auch Termine der Initiative Sozialistisches Forum, die für ihre pro-Israel-Einstellung bekannt ist.

Welche politische Richtung man auch immer bevorzugt, im Jos-Fritz-Café kann man auf praktisch auf alle pissen. Im wahrsten Sinne. Man beachte nur diesen Artikel.

12. Oktober 2009

Nicht Freiburg, aber Holocaust!

Im Zusammenhang mit der Beschäftigung mit meinem Magisterarbeits-Thema wälzte ich in den vergangenen Wochen mehrfach die Lebensläufe bzw. -entwürfe vieler Planer und Durchführer der Judenvernichtung während des Dritten Reiches.

Ich bin nicht gänzlich ein Feind der Web-Recherche, da diese einen häufig auf fern liegende Spuren zu dem untersuchten Gegenstand führt: Das WWW hält durch die Qualität der Verlinkung viele Querweise bereit, die zwar von der eigentlichen Forschungsfrage wegführen, allerdings manch andere Fragestellung aufwerfen.

Ich musste mich im Rahmen meiner Magisterarbeit etwa mit dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler beschäftigen. Obwohl mir die einschlägige Literatur schon die besten Lesetipps an die Hand gegeben hatte, suchte ich nach Himmlers Einträgen im Internet. Kurz darauf fand ich mich auf Wikipedia wieder. Ein paar Klicks später befand ich mich auf den Seiten Adolf Eichmanns, des bekanntesten „Schreibtischtäters“ der Nazis, sowie Heinrich Müllers, dem Chef der legendären „Gestapo„.

Was mir auf jenen Seiten inhaltlich bzw. in den weiter führenden Links begegnete, war einerseits nicht nur geradezu haarsträubend, sondern teilweise revisionistisch.

So ist in dem Adolf Eichmann behandelnden Artikel davon die Rede, dass der Bundesnachrichtendienst sowie der israelische Geheimdienst Mossad an der Verhaftung Eichmans nach 1945 eigentlich nie ein gesteigertes Interesse hatten. Unterfüttert wird dies unter anderem mit der völlig unbelegten Behauptung, dass Simon Wiesenthal bereits fünf Jahre vor der Verhaftung Eichmanns von dessen Aufenthaltsort wusste.

In der Fortführung des Wikipedia-Artikels schwadroniert der Autor/die Autorin/die Autoren davon, dass sowohl Deutschland, das Aufenthaltsland Eichmanns Argentinien, als auch Israel die Verhaftung Eichmanns aufgrund eines Atomprogramms Israels bewusst nicht durchführten. Denn, so weiß der Wikipedia-Artikel zu berichten, war die Verhaftung Eichmanns 1960 nicht der israelischen Staatsraison (=Aufspürung deutscher Völkermörder) geschuldet. Sie entsprang nach Meinung der Wikipedia-Schreiber dem Willen deutscher „Davongekommener“ sowie des Mossads,  der seine geheime Mission zu nuklearen Beherrschung ganzer Weltteile bedroht sah.

Dass Adolf Eichmann am 31. Mai 1962 den verdienten Tod fand, erachten die Wikipedia-Autoren offenbar nur teilweise als richtig. Die Lesart, dass Eichmann Mitwisser über ein israelisches Atomprogramm war, ist bis heute nicht von der Wikipedia-Website entfernt worden, obwohl sie auf mehrerlei zweifelhafter Aussagen beruht. Jene auf dem Wikipedia-Artikel zu jenem Wissen Eichmanns zitierte Gaby Weber wird unter anderem auf der antiwestlichen, der islamofaschistischen Sache durchaus zugetanen Seite www.labournet.de fleißig zitiert. Ein unbescholtener Leser des Eichmann-Artikels auf Wikipedia könnte nach der Lektüre also durchaus zu dem Ergebnis kommen, dass Eichmann selbst Opfer und kein Täter war, dass er unlauteren Methoden ausländischer, namentlich israelischer (und damit jüdischer) Agenten zum Opfer fiel.

Insofern bekommt die Charakterisierung Eichmanns auf Wikipedia durch jene Weber-Zitate eine Note, die zwar historisch sehr (!) zweifelhaft, nach der deutschen Lesart politisch umso korrekter ist: Eichmann war nicht nur ein Vorkämpfer gegen jüdische Selbstverteidigung, nein, die Nachfahren der Holocaustopfer haben daraus nicht einmal etwas gelernt!

Wenn man auf dem Wikipedia-Artikel von Eichmann weiter klickt, kommt man irgendwann zu Heinrich Müller. Der Name sagt den wenigsten etwas, die von ihm verantwortete Institutiuon ist jedoch weltberühmt: Müller war von 1939 bis 1945 Chef der „Geheimen Staatspolizei„, der allseits bekannten „Gestapo“.

Da Müllers Todesumstände bis heute unbekannt sind, müssen sich all jene, die sich mit dem Ende Müllers beschäftigen und keinen Zugang zu einer Universitätsbibliothek haben, auf die im Netz zur Verfügung stehende Sekundärliteratur beschränken. Die „Bundesprüfstelle für jugendgefährende Schriften“ leistete hierzu 1999 bereits einen Beitrag, den man nach bundesrepublikanischen Maßstäben als Musterleistung bezeichnen muss: sie behandelte in den Ergebnissen ihrer Studie „Von „Antimarxismus“ bis „Xenophobie“. Rechtsextreme Medien in Deutschland“ jenen Heinrich Müller in einem kurzem Absatz, in welchem von einer belegten Fälschung der Aussagen Heinrich Müllers bezüglich der Shoa die Rede ist. Soweit, so gut, doch weitere Taten und Aktivitäten Müllers kommen in jener Studie nicht vor.

Judenmord und eine dahinter stehende, jedwede andere Ideologie auschließende Weltanschauung: bis heute widersprüchliche Komponenten in der politischen Wahrnehmung der BRD?

27. September 2009

Bleibt alles anders

Die Wahl zum 17. Deutschen Bundestag ergab manche Überraschungen – die sich hinterher als gar nicht überraschend herausstellten.

Zunächst erzielten die Union und die FDP eine Mehrheit, was nach den letzten Beobachtungen nicht unbedingt zu erwarten war. Denn immerhin hatte die SPD in den Umfragen stark aufgeholt. Solchen Stimmen, die eine Fortführung der Großen Koalition prophezeiten, wurde zuletzt nicht mehr heftig widersprochen. Eine Fortsetzung des „Kleinen Gemeinsamsten Nenners“, wie die Große Koalition 2005 noch genannt wurde, schien somit absolut im Bereich des Möglichen.

Doch der Wähler überraschte mal wieder alle. In Zeiten der Krise vertraute er den Parteien, die seit jeher für Wirtschaftskompetenz stehen. Bisher hat die Geschichte bewiesen, dass eine besonnene Wirtschaftspolitik Arbeitsplätze nach sich zog. Restriktive Maßnahmen wirkten sich eher negativ auf das Wachstum aus, welches für die Entstehung von Arbeitsplätzen nach wie vor unerlässlich ist.

Das Fehlverhalten der Banken, so schlau ist auch der Wähler, kann unmöglich allein der Regierung angekreidet werden. In den Aufsichtsräten der großen Bankhäuser befanden sich zudem Politiker jeglicher Couleur, die allesamt nicht die Hasardspiele der Manager verhindern konnten/wollten.

Deswegen das Vertrauen in jene Parteien, denen man nicht nur eine fruchtbare Wirtschaftspolitik zutraut, sondern darüber hinaus auch noch eine angemessen mäßigende Wirkung auf die Wirtschaft. Denn „mäßigen“ (Union/FDP) heißt nunmal nicht „bremsen“ (SPD/Grüne/Linke).

Dennoch muss man feststellen, dass diese Republik eine endgültige Ablösung auch auf der Seite links der SPD erlebt. Denn abgesehen von der weiteren Entwicklung der SPD, dürfte nach den Grünen Die Linke das neue Zünglein an der Waage sein. Wer zukünftig Kommunal- oder Landespolitik machen will, muss Die Linke als Option in Erwägung ziehen.

Dies wird nicht nur die SPD auf eine neue Linie zwingen, wie seit der Hessenwahl sowieso schon klar war, sondern auch die Grünen, die nunmehr einen Konkurrenten in der Rolle des Königsmachers haben werden.

Alles in allem muss man feststellen: Soviel auch gleich zu bleiben scheint, vieles ist im Fluss…

16. September 2009

Kevin: Ost oder West?

Scheinbar ist der Vorname „Kevin“ für Grundschüler in Deutschland ein Hindernis, um zu höheren Schulweihen zu gelangen.

Die Kommilitonin, welche sich die Mühe der in dem SpOn-Artikel genannten Untersuchung gemacht hat, leistete damit, wohl ungewollt, einen Beitrag zu der immer noch klaffenden Lücke zwischen West und Ost: immerhin war „Kevin“ ein beliebter Name unter im Osten Deutschlands angesiedelten Familien. Viele der in den späten Achtzigern im Osten Deutschlands geborenen Kinder tragen auch heute noch den Vornamen Kevin. Zu großen Teilen können diese Personen heute als „ehemalige Ossis“ identifiziert werden.

Jedoch: „Kevin“ steht auch heute noch exemplarisch für einen verwöhnten und verzogenen Jungen aus einem berühmten Kino-Zweiteiler: Macaulay Culkin spielte einst einen all-american-boy, der, von seinen Eltern im Stich gelassen, einem einfältigen Einbrecherduo das Fürchten lehrt.

Man könnte also parallel zu dem SpOn-Artikel die Frage stellen, inwiefern sich hinter der Geringschätzung deutscher Lehrer für den Vornamen Kevin ein antiamerikanisches Ressentiment verbirgt. Immerhin ist die Wende nunmehr 20 Jahre her: selbst ein 1989 geborener Schüler ist heute mindestens Abiturient und damit kaum noch in dem von Julia Kube untersuchten Personenkreis angesiedelt.

Natürlich: tradierte Feindbilder aus der Zeit des West-Ost-Dualismus spielen auch heute noch eine große Rolle. Doch im Deutschland des Jahres 2009 zählen zu diesen Feindbildern antirussische wie antiamerikanische Ressentiments gleichermaßen.

Also: jene Lehrer, die dem Namen „Kevin“ mangelnde Leistungsfähigkeit zuschreiben, müssen nicht Beamte sein, die ihre Sozialisation in Westdeutschland zur Zeit des Antikommunismus durchgemacht haben. Sie können genausogut Lehrkräfte sein, die in einstigen DDR-Zeiten eine Antipathie gegen alles westlich-amerikanische entwickelt haben.

Die Untersuchung Julia Kubes könnte in der Erforschung der Herkunft des „Kevin-Ressentiments“ eine wertvolle Fortsetzung erfahren.

14. September 2009

Max Giermann: lustiger Freiburger (lustiger als Die Linke)

Heute fand mal wieder eine der zahllosen Raus-aus-Afghanistan-Veranstaltungen im Café Velo statt. Angekündigt waren auf den in der ganzen Stadt verteilten Plakaten Tobias Pflüger von der PDS und ein „englischer Friedensaktivist“. Wen man so kryptisch ankündigen muss, der ist entweder auf öffentlichen Bekanntmachungen nicht vorzeigbar oder aber so unbedeutend, dass sein Klarname sowieso niemanden hinter dem Ofen hervor locken würde (Hinter dem „Friedensaktivisten“ verbarg sich schließlich John Rees, ein marxistischer englischer Agitator).

Ich ging lieber ins Training und las anschließend einen Artikel auf Spon über Max Giermann, genialer Comedian und Freiburger! Diese Stadt, so kritikabel manches auch sein mag, was innerhalb ihrer Grenzen passiert, bringt genügend geniale Menschen hervor, die eine Hommage verdienen. Einer davon ist Max Giermann, die Hommage besorgte Christian Buß auf Spiegel-Online.

Max Giermann war übrigens zuletzt ab und zu im Karma anzutreffen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Das sympathische Freiburg lernt man also eher in jenem beliebten Club in der Innenstadt kennen, als auf den verstaubten, regressiven Veranstaltungen der Freiburger Linken.

Mein größter Wunsch momentan ist jedenfalls ein Parodie Giermanns auf Lothar Schuchmann, Vorsitzender des Freiburger Kreisverbandes der Linken.

5. September 2009

Versuch über den Schweizer

Eine Woche Urlaub in der Schweiz hinterlässt ihre Spuren, die überwältigende Zahl davon sind gut, super, klasse!

Aber so mancher Eindrucke (oder altbekannter Klischees) kann man sich nicht erwehren. Und was wäre besser ein Nachbarland von uns im selben Stile wie Dietmar Wischmeyer zu portraitieren? Liebe Schweizer, bitte nicht allzu ernst nehmen, sondern mit jenem Augenzwinkern, das ich bei Abfassen diesesTextes immer wieder mal hatte:

Umzingelt von deutschen Dubeln im Norden, froschfressenden Frisörschwuchteln im Westen, kleinwüchsigen Handtaschendieben im Süden und einem etwas undefinierbaren Volk im Osten haust der Schweizer.

Eingedenk der vielen verkorksten Nationalitäten um ihn herum versucht der Eidgenosse seit jeher, sich einen Sonderstatus in so ziemlich allem zu verschaffen. Schengener Abkommen, Bankgeheimnis oder Volksentscheide – der Schweizer legt Wert auf Exklusivität. Diese trägt zuweilen merkwürdige Früchte: als der Rest von Europa kein größeres Hobby hatte, als sich ziemlich lautstark gegenseitig die Köpfe zu Brei zu schlagen, saß der Schweizer bequem in seinem Sessel und schaute sich das Geballer mit einer Packung Ricola in der Patschhand an. Vielleicht war er aber auch einfach nur zu langsam, um seine Geschütze in Stellung zu bringen.

Dabei versteht der Alpenbewohner doch so einiges von Kriegsführung. Besonders biologische Waffen haben es ihm angetan: was der Holländer mit seinen Tomaten, der Franzose mit seinen Zigaretten und der Engländer mit seinem gesamten Küchenarsenal nicht schaffen, erledigt der Schweizer mit einer einzigen Massenvernichtungswaffe, die selbst Saddam das Wasser im toten Munde zusammen laufen lässt: das Käsefondue gehört zum Schweizer Nationalheiligtum. Schade nur, dass Geruch und Geschmack der breiigen Pampe selbst hart gesottenen Mitteleuropäern die Tränen in die Augen treiben. Wer nach Genuss eines original Schweizer Käsefondues jedoch den Fehler begeht, trotz mörderischen Völlegefühls, seinen Durst mit Mineralwasser zu löschen, in dessen Magen vulkanisiert die Stinkepampe mit dem Wasser zu einer Masse, die nicht nur dazu geeignet wäre, den Eisernen Vorhang wieder aufzubauen, sondern darüber hinaus auch noch den Magenausgang verschließt. Der Käsefondue-Konsument geht anschließend in die ewigen Jagdgründe ein – auf Schweizer Art.

Seine Küche ist jedoch nicht die einzige Art, mit der der Schweizer seinen Mitmenschen auf den Sack geht. Schon relativ früh verstanden es Urs und Brigit, ihre malerische Umgebung durch enorm hohe Preise zu verpesten. Der Schweizer hätte sich im Buch der Menschheit als angenehmer Schöpfungskollege eintragen können, der vor wunderschöner Bergkulisse sein Dasein fristet. Nun jedoch steht im Lexikon der Menschheitsgeschichte unter „Schweizer“: kleines räuberisches Bergvolk.

Offenbar war ihm schon immer bewusst, dass er im Konzert der Völker keine große Nummer mehr werden würde. Also sorgte der Schweizer gleich dafür, dass man, wenn man nicht gerade an seinem Essen eingeht oder seinetwegen am Bettelstab endet, nicht mal in eine Beschwerdediskussion mit ihm einsteigen kann. Denn egal was er sagt: man versteht ihn nicht. Jede Wortmeldung eines eingeborenen Schweizers klingt wie ein Werbespot für Ricola Kräuterzucker. Wahrscheinlich hat der Schweizer das wohlschmeckende Lutschbonbon erfunden, um seinen aufgrund der vielen guttural hervor gepressten Laute ständig gereizten Rachen zu kurieren.

Bis vor ein paar Jahren gab es kaum ein Mittel, dem Schweizer sein sonderbares Wesen heimzuzahlen. Doch Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne und das miese Fernsehprogramm haben im Deutschen eine Idee reifen lassen, um den sonst so ruhigen Eidgenossen richtig auf die Palme zu treiben: er verwendet dazu dieselbe Methode, die schon Mitte des Jahrhunderts ganz Europa erzittern ließ. Der Deutsche fällt seit einigen Jahren kontinuierlich in einem infamen Akt der Grenzverletzung in der Schweiz ein, um dort…nein, nicht um zu kämpfen! Sondern um zu arbeiten. Nichts hasst der Schweizer mehr, als eine Horde deutscher Doofköppe, die weder fressen noch tanken will sondern nur die Absicht hat, die heiß begehrten Jobs im Bankgewerbe zu besetzen. Auf dem Weg zur bedingungslosen Kapitulation des Deutschen hilft dem Schweizer jetzt wohl nur noch die Schweinegrippe…

20. August 2009

Lobbyist Sascha Lobo

Warum in alles in der Welt bekommt dieser Typ so viel Aufmerksamkeit? Nur aufgrund seiner Frisur, die einen hippen, modernen, unangepassten Lebensstil vermuten lässt? Es hat den Anschein.

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass gerade die SPD Lobo vor ihren Karren spannt. Der ehemaligen Volkspartei ist mittlerweile bei der Werbung um Wähler scheinbar jedes Mittel recht. Immerhin fabulierte Lobo soeben bei Maybrit Illner von seinen Kontoauszügen, die ihm offenbar aufgrund seiner vielfältigen Engagements einen Lebensstil sichern, von dem ein Gutteil der SPD-Wähler träumt. Und er ist, wie er gerade eben live im ZDF kund tat, „selbstständig“. Ja nee is klaaaa…

Zuletzt brachte Lobos Kampagne für Vodafone ihm die geballte Wut der (links eingestellten) Web-Gemeinde ein. Lobo startete auf seiner Homepage zwar den verzweifelten Versuch, sein Engagement für Vodafone zu verteidigen. Doch wirft er in diesem Interview mit sich selbst fast jedes Prinzip eines Publizisten, der auf eigene Faust im Web publiziert und dadurch groß geworden ist, über Bord. Jedenfalls tut er seine nicht vorhandene Unabhängigkeit für uninformierte Leser nicht ausreichend kund.

Sascha Lobo jedoch macht sich als Fachidiot für die online-SPD mit einer (darüber hinaus offenbar verlorenene) Sache gemein. Rein äußerlich passt er dazu. Und natürlich kann Sascha Lobo werben für was und für wen er will. Doch wie Hajo Friedrichs schon wusste, sollte kein sich als unabhängig erachtender Schreiberling sich mit einer Sache gemein machen, sollte die Sache noch so gut sein. Was ist Lobo also?

Man müsste seine Berufsbezeichnung noch einmal überdenken: er ist kein Blogger, kein Publizist und schon gar kein Journalist. Er ähnelt, kurz gesagt, einem Lobbyisten.

20. August 2009

Kapitalismus-Aphorismus: Marx ist Maurer

Neulich, als ich mit einem guten Freund, der in der SPD aktiv ist, über die aktuelle Krise und mögliche Wege ist ihr heraus diskutierte, ließ mein Kumpel folgenden Satz los: „Ich verstehe nicht, wie man in Zeiten einer solchen Wirtschaftskrise eine Partei wie die FDP wählen kann!“

Meine Antwort: „Du baust dir ein Haus und bestellst eine Flaschnerei, um die Rohre legen zu lassen. Wenig später stellst du fest: die Firma hat absoluten Murks gemacht, scheinbar sehenden Auges. Jedoch wirst du kaum auf die Idee kommen, für die Behebung des Schadens einen Maurer zu bestellen. Nein, du holst wieder einen Flaschner und vertraust darauf, dass der es besser macht.“

Karl Marx jedoch ist Maurer.